Verfasst von: mariposaa | Mai 15, 2009

Südenreise

Ist jetzt schon wieder zwei Wochen her – unsere Reise in den Süden mit AFS.

Norden und Süden der Dominikanischen Republik sind durch ein riesiges Gebirge, dass sich quer von West nach Ost durchs Land zieht getrennt, die Cordillera Central. Deshalb kommt der kühlende Regen, der jetzt im Mai Santiago regelmäßig unter Wasser setzt da unten nicht an und es ist wahnsinnig heiß und trocken. Mit unsrem Minibus sind wir stundenlang durch Steppenartige Landschaft gefahren mit riesigen Kakteen und diesen Bäumen, die aussehen, als würden sie ein Dach bilden, die man sonst nur aus Afrika kennt.

Auf dem Weg fuhren wir durch San Christobal, eine nach Columbus benannte, sehr alte Stadt und durch Baní, wo’s bald die leckersten Mangos der Welt gibt, die „Banilejos“. (Mein dominikanischer Papa ist laut meiner Mutter so verrückt nach denen wie eine schwangere Frau – und tatsächlich – seit zwei Wochen ist unser Kühlschrank gelb gepunktet von Mangos – und Roberto schwört „das sind immernoch nicht die Richtigen – noch zwei Wochen..! ;)

Der erste Stopp war dann „las Salinas“ – die Salinen. Da waren Haitianer dabei mit Spaten das Salz abzugraben, dass sie dann in die Wagons eines Miniaturzugs luden, der dann widerum eine Rampe hochgeschoben oder -gezogen wurde, von woaus das Salz zum Trocknen auf einen Haufen gekippt wurde. Die ganze Szenerie erinnerte irgendwie an einen Karl May-Film, nur dass die Indianer ihre Federn und wir Weißen die Colts abgelegt hatten ;)

Weiter ging’s

Mittagessen gabs am magnetischen Pol – und hier tut sich ein Rätsel auf: kann mir irgendwer erklären, wieso der magnetische Pol in der dominikanischen Republik sein sollte? Es gab auch gar kein Schild und nichts, was auf ihn hingewiesen hätte, nur ein paar Amerikaner, die ihre Autos auf der ausschalteten, den Gang rausnahmen und dann mit offenem Mund beobachteten, wie das Auto zu rollen anfing – ANGEBLICH durch irgendeinen Magnetismus angezogen – schon seltsam!! Und wir AFSer sind uns eigentlich sicher, dass die Straße ein bisschen abschüssig war und überhaupt müsste doch am magnetischen Pol die Kraft des Magentfelts die Dinge zum Stehen bringen statt sie zu bewegen…

Als nächstes fuhren wir zu riesigen Sanddünen – die ersten, die ich hier gesehen habe. Und trotz der Hitze sind wir wie Verückte rauf- und runtergerannt und -gerollt ;) muy chulo^^

Nach einer kurzen Nacht in einem überraschend komfortablen Hotel trafen wir uns also alle im Bus wieder. Diesmal an der Küste entlang, wo viele gutbetuchte Dominikaner oder Weithergereiste an den einsamsten Fleckchen traumhafte Villen über dem Wasser gebaut haben. Wir sind aber zur Bahía de las Aguilas – mir wurde gesagt, dem schönsten Strand des ganzen Landes. Die Anfahrt im Motorboot war dann auch wirklich eine Wucht – vorbei an riesigen runden Felsen, die aus dem Wasser ragten wie Eisberge und immer wieder dieses unwirklich türkisblaue Wasser! :) Vom Strand selbst war ich dann eher enttäuscht – ein Strand eben ;) Aber mit unserer Truppe war der Tag super!

Das Einzige Unlustige: bei einem durch die Beine tauchen-Spiel verliert Maria ihre Kontaktlinsen! Ich kann mich normalerweise echt auf sie verlassen – immerhin haben sie eine Wasserfall-Sturztour mitgemacht! Aber hier haben sie mich eiskalt im Stich gelassen! War zuerst genervt, weil ich nichts mehr scharf gesehen hab, war aber erst am nächsten Tag wirklich erledigt, als sich bisher schlimmsten Kopfschmerzen meines Lebens einstellten und sich mir dazu noch der Magen umdrehte, weil ich irgendetwas Seltsames gegessen hatte – hatte mein Essen mit meinem demolierten Sehsinn ja nicht wie üblich auf essbarkeit prüfen können ;) Und dann ging’s am dritten Tag auch noch nach Haiti, das Ereignis, weshalb ich überhaupt so schaft auf diese Tour gewesen war! Auf meinen Kreislauf war aber natürlich Verlass – kruz vor der Grenze haben mir die geschätzten 42°C den Rest gegeben, bin also umgekippt und hab die Andren vom klimatisierten Bus aus losmarschieren sehen. Ein Mitbringsel aus Haiti hab ich aber trotzdem: ein Minifläschchen haitianischen Rum vom Markt direkt hinter der Grenze :) Und durch Erzählungen und Fotos weiß ich auch ziemlich genau, wie es ihnen tatsächlich ergangen ist: schon bevor wir alle ausgestiegen sind, meinte unsre Reiseleiterin, wem schnell schlecht werde, der solle sich die Nase zuhalten, an der Grenze würde es verdammt stinken. Jaja haha – hab ich und haben sich sicher viele gedacht – Dominikaner sind nämlich berühmt für ihre Vorurteile gegen Haitianer und Haiti – „da stinkts“, „da wächst nichts“, „da ist’s hässlich und es gibt nichts als brauner trockner Erde“, „die sind so arm, dass sie sich Kekse aus Erde machen“ und, und, und ;) Naja, aber wir waren dann ziemlich erschrocken, als tatsächlich vieles davon zutraf! Der Gestank kam daher, dass ein See über die Ufer getreten war, der so verschmutzt ist, dass der Müll wie Wasserpflanzen darin zu wachsen scheint. Die Grenze war also auch völlig überflutet und die AFSer sind auf Motorrädern und Lastwagen mitgefahren, um keine nassen Füße zu bekommen. Es stimmte übrigens tatsächlich, dass nicht nur in der gesamten Grenzregion nichts wächst, die Gegend ist auch nicht braun und verdörrt, sondern grau in grau. Ein bisschen hat mich diese Tristesse an eine graue Steinwüste erinnert – wirklich unglaublich! Und die Menschen sind so arm! Da kann es einem als Weißem richtig ungemütlich werden!

Von der Höhle, an deren Wände die Ureinwohner Tainos lauter Gesichter „caritas“ gemalt haben, habe ich also leider auch nichts gesehen, weil der Anstieg ziemlich heftig war und ich keinem zumuten wollte, mich wieder herunterzutragen. Und auch vom Enriquillo, dem größte Salzsee Zentralamerikas hab ich nur ein paar Leguan-Fotos mitgenommen ;) Schade!

So, mehr gibt’s dann auch gar nicht mehr zu erzählen – an den Rest des Tages erinnere ich mich wie an einen fiebrigen Traum :P Aber die Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt – immerhin weiß ich jetzt, dass ich mit euch nochmal hinwill, Mama und Papa :)

Viele Liebe Grüße an alle !!


Antworten

  1. maria toll deine reise in den sueden.schade das es dir zuletzt nicht ganz so gut ging.noch ein paar super schöne wochen.alles zu hause freut sich auf euch.grüße von janas oma.

  2. Supi Maria, danke für deinen langen Bericht. Das mit dem Magnetismus find ich auch witzig. Ich glaub da eher deiner Theorie. :)
    Schade, dass es dir am Ende nicht so doll ging, so ein Pech. So eine Brille im Handgepäck für alle Fälle ist ja eigentlich auch ne prima Idee…

    Und hier noch ein DomRepGenießer-Smiley

    Alles Liebe!

  3. oh schade, hat nicht funktioniert mit den Smileys.

  4. Liebe Maria,

    zum Glück hast du ja noch eine „second chance“ :-) und kannst diesen Teil deiner Südenreise im Juli nochmal nachholen.

    Wirklich toll deine Bilder und dein Bericht. Ich hab beides wie immer sehr genossen!!!

    Liebe Grüße und eine gute Zeit
    Claudia

  5. Hallo mein Schatz,

    beim Verlust der Linsen wechselst du in die dritte Person – schon lustig, wenn man selbst von sich Abstand nehmen möchte bei blöden Situationen.

    Das Ereignis wirst du nie vergessen.

    Wir sind heilfroh, dass du gesund und quicklebendig bist!! Alles Andere ist zweitrangig ;-)

    Auch wir freuen uns auf gemeinsame Unternehmungen auf DR mit einer jungen, hübschen, sprachkundigen Reiseleiterin :-)
    und zwar mindestens doppelt so viel wie sich unsere kleine Tochter früher auf das Christkind freute.
    Fühl dich herzlichst gedrückt von
    Mama und Papa

  6. Jetzt hab ich mir gerade deine Fotos angeguckt – bevor ich das bei FlickR an jedes Foto schreibe: Wunderbare Bilder, eines schöner als das andere.

  7. auch wenn du nicht alles sehen konntest, ist es doch besser als wenn du dich zuu sehr überanstrengt hättest.
    und trotzdem hat es sich nahc ner tollen reise angehört =)

    und ich stimmt dir zu, dass die autos vermutich wegen des gefälles leicht gerollt sind :-D

    eine ganz dicke umarmung! :-*


Einen Kommentar hinterlassen

Ihre Antwort:

Kategorien